Freie Radikale

Werter Leser, falls Sie Naturwissenschaftler sind und eine Sammlung zu chemischen Reaktionen unter dieser Rubrik suchen, möchte ich Sie darauf hinweisen, obwohl Sie durchaus weiter lesen dürfen, dass Sie auf dem Weg übers weltumspannende Netz, auf einem Knoten eine irreführende Abzweigung genommen haben. Freilich lehnt der Rubiks Titel an die ungestüme Natur der chemisch rabiaten Teile, immerhin habe ich eine gute Ausbildung und viel spannende und gute Berufserfahrung in Chemie und bin naturwissenschaftlich vielseitig interessiert, aber in diesem Blog sind damit Aphorismen gemeint, die mir spontan einfallen und die insbesondere auf den Anspruch durchdacht zu sein verzichten.

Die „Freien Radikale“ sind in Kürze gesagt: Sätze bis kurze Texte, die unbeabsichtigte Reaktionen beim Lesenden oder Zuhörenden hervorrufen können. Besonders volatile Fragmente, könnten sich als Meme potenzieren, dabei sind sie doch nur von Links nach Rechts geschriebene Worte, im Scheine der Hintergrundbeleuchtung einer elektronisch angesteuerten dünnschichtaktiven Flüssigkristall-Polarisationsfilteranzeige getippte, und am besten in stark verdünnten Dosen genossene. Bei Nebenwirkungen, durch Konsumation oder Weitergeben von Teilen oder ganzen Stücken aus „Freie Radikale“, konsultieren Sie bitte Ihr Gewissen oder sprechen Sie mit einem vertrauten Vertreter des Guten Geschmacks.

Meinungsfreiheit, die
Die Freiheit in Gedanken, jede beliebige, erdenkbare Meinung zu haben.

Redefreiheit, die
Die Freiheit, öffentlich alles zu schreiben oder zu sagen, solange es das Richtige ist.

Richtige, das
Gegenteil von das Falsche, siehe Falsche.
(Selten: Resultat, einer logischen Kette bzw. Operation.)

Falsche, das
Ein Abstraktum, das von Lehren, Dogmen oder Ideologien einer bestimmten Zeit und Gesellschaft – lokaler, nationaler oder supernationaler Ausdehnung – abhängt. Das Falsche wird jeweils von Macht ausübenden Einzelnen, Mehreren oder Gruppen bis zur Grösse der Allgemeinheit verboten, zensiert oder tabuisiert, wobei selbstredend auch Unausgesprochenes oder Unsägliches inbegriffen sind.

Würde, das (seltener, ins Vergessen geratend: die)

1) das W. Durch Substantivierung des Konjunktivs vom Verb „sein“ erzeugter Überbegriff, der Möglichkeitszeiträume oder zukünftige Transzendenzen, beziehungsweise <Präfix>-Topien bezeichnet.
Beispiele:
Wärst Du besser in Mathematik, würde ich mir, wäre ich Du, überlegen Versicherungs-mathematiker zu werden. (umständlich, veraltet)
Ja, ja. Im Würden bist Du gut verdienender Versicherungsmathematiker.
Alle sind im Würde glücklich, gesund und unsterbliche Zwanziger.
Was gäbe ich darum, das Würde wäre diesseits.

2) a. die W. Etwas Ungreifbares, Unantastbares, Abstraktes; für gewöhnlich, jeglicher nachvollziehbarer Definition in deutscher Sprache widerstrebender Begriff; oft in weit umschweifigen Umschreibungen schliesslich auf sich selbst referenzierende Erklärung; ein Anundfürsich, das in deutscher Sprache als gegeben gilt
b. die W. In Verfassung oder Gesetz verankerte Zusicherung des Schutzes vor Übergriffen auf eine (natürliche) lebende Person (in Grenzen auch tote), ein (leb.) Tier oder eine (leb.) Pflanze, im speziellen auf deren Intaktheit der Integrität [I. d. I.: ≈ Würde, die] von Physis und Genetik, bei Personen zudem: Psyche, Persönlichkeit, Vertrauen, Glaube und (teilw.) Ideologie

Kurzschluss, der

Bedeutung: In Kürze zum Schluss kommen (in positivem wie auch in negativem Sinne gebräuchlich; kann unmittelbar, teils enorme, Energien freisetzen, beziehungsweise Zeit sparen).

Logik, die

Ähnliches Phänomen: die (widerstands-, zeitarme) Abkürzung

Bereiche häufiger Verwendung: Elektronik, EDV Systeme, Logik

Gegensätzliche Phänomene: Umweg, Endlosschleife, divergente sowie konvergente rekursive Iterationen (bspw. Division durch Null, verstärkte Rückkopplung), Verstrickung, Verwicklung

Definition: Die Lehre / die Methode / der Prozess zum Finden von nachvollziehbaren (aber nicht zwingend widerspruchsfreien, eindeutigen) Antworten auf viele Arten von Fragen

Vorteile: prinzipiell einfach und daher (verständlich) nachvollziehbar; mit leichten Anpassungen übertragbar auf gleichartige Fragen;

führt zum Aufdeckung von impliziten Widersprüchen (in Fragen, Annahmen, Daten, Informationen)

Nachteil: einziger, vernünftiger Ansatz

Wichtigste Ergänzung: Verzicht auf diskrete, absolut-gültige Aussagen und Annahmen (durch Erweiterung mit Wahrscheinlichkeits- und Toleranzangaben)

Grenzen: Für die Durchführbarkeit meist Vereinfachung und Einengung des zu beantwortenden Systems nötig – damit wird jedoch die Natürlichkeit und also die Gültigkeit der Antwort beschränkt.

Gefahren: Generalisierung von Einzelfällen; überhöhter Wahrheitsanspruch; verfehlte Ansprüche, wie beispielsweise auf eindimensionale, rasche Antworten;

fehlende Berücksichtigung der Gültigkeitsgrenzen; der Prozess ist an sich wider die Natur, weil die Praktikabilität des Prozesses, über die Abstraktion, die Frage denaturiert – die Lösung ist dann (gegenstands-, geist-, gefühllos) tot, wenn keine zur Realität (Natur/Existenz/Kontext) rückführende Klärung statt findet.