Bunte Lichtspiele, ein Auftakt

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Wer sich etwas mit Farbenlehre beschäftigt hat, wird wohl auch die bekanntesten Eigenschaften des Lichts kennen. Es ist einzigartig schnell, wobei am schnellsten im Vakuum. Weisses Licht ist eine Mischung aus mindestens rotem, grünem und blauem Licht. Neben dem sichtbaren Licht, existiert auch für uns unsichtbares, mit verschiedenen Namen, je nach Wellenlänge beziehungsweise Frequenz. In optisch dichteren Medien breitet sich Licht in Abhängigkeit seiner Wellenlänge langsamer aus als in Vakuum, was ein Glasprisma wunderschön aufzeigt, in dem es gemischtes Licht in seine Spektralfarben aufteilt, wobei blaues, kurzwelliges Licht stärker abgebremst und somit stärker abgelenkt wird als rotes, langwelliges Licht. Dem Glasprisma ähnlich, aber etwas komplizierter, verhält es sich mit Wassertropfen, die je nach Tageszeit und Saison mit Sonnenlicht einen Regenbogen am regnerischen Himmel zeichnen. Neben Infrarot, Ultraviolet, Röntgen- und Gammastrahlung und Radiowellen inklusive Mikrowellen, gehört Licht zur elektromagnetischen Strahlung, oder auch Welle, die sich wie der Name sagt, geradlinig von einem Punkt aus, mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet. Je nach Wellenlänge kann Licht ein Objekt kaum verändert passieren. Manche Objekte absorbieren einen Teil des eingehenden Lichts, wobei das austretende Licht für Menschenaugen nicht wahrnehmbar oder gut sichtbar dunkler oder farbig wird. Anders als beim klaren, farblosen Prisma, das hauptsächlich auffächert, schwindet die Lichtenergie über einen dem Objekt eigenen Frequenzbereich und übrig bleibt, was uns farbig erscheint. Je nach Standpunkt, lässt ein Lichtfilter einen Teil des Lichtspektrum durch oder absorbiert den anderen Teil, was auch die Sprache zu unterscheiden vermag: Ein blauer Filter beziehungsweise ein Blaufilter. Weisses Licht durch letzteren erscheint gelb, die additive Mischung von Rot und Grün, da der Blauanteil absorbiert wurde. Die Farbwahrnehmung beruht auf einer Energie-Umwandlung, bei der Licht, über Absorption eines engen Wellenlängenbereichs, in elektrochemische Energie umgewandelt wird, welche von Nervenzellen in der Netzhaut als Signal interpretiert wird, welches zur Verarbeitung an ein komplexes Nervengeflecht im Auge und schliesslich ans Gehirn, in einen Bereich im hinteren Teil des Schädels, weitergeleitet wird. Zwei Gruppen von lichtempfindlichen Sinneszellen sind fürs Sehen verantwortlich, die Stäbchen und die Zäpfchen. Erstere reagieren nur auf Helligkeitsunterschiede, vorwiegend auf Blau und Grün, letztere bestehen aus drei Gruppen, wobei grob gesagt jede für eine andere der Farben Rot, Grün und Blau zuständig ist. Die Farbmischung ist additiv. Würden heute, im Zeitalter digitaler Fotobearbeitung, Personen angehalten anzugeben, welche Farbe beim Mischen in gleichen Teilen Gelb und Blau resultiere, lauteten die häufigsten Antworten wohl: Grün, Weiss, weiss nicht. Weiss nicht, im Sinne von, die Frage kann, da unpräzise formuliert, nicht beantwortet werden, wäre ebenso halbkorrekt, wie die beiden anderen Antworten. Warum? Weil zwei Arten Farbmischung möglich sind: additiv und subtraktiv. Additiv wird aus Blau und Gelb (enthält Rot und Grün) Weiss. Subtraktiv wird aus Blau und Gelb Grün, was ersichtlicher wird, wenn ein bestimmtes Blau gewählt wird, nämlich Cyan (C) und Gelb für Yellow (Y) steht, zwei der primären Druckfarben, die dritte ist Magenta (M) und die vierte die Unfarbe Black (B), also Schwarz. Schwarz wird für Grautöne und zusätzlichen Kontrast genutzt. Schwarz ergeben, müsste eigentlich die gleichanteilige, subtraktive Mischung der primären Druckfarben. In der Praxis ergibt jene aber nur dunkel- bis sehr dunkelgrau. Subtraktiv Mischen, bedeutet färben, von weissem Grund ausgehend, indem zuvor weiss reflektiertes Lichts anteilsmässig mit Pigmenten durch Absorption reduziert werden, also Anteile aus dem Spektrum entfernt, bis hin zu kaum noch wahrnehmbarer Intensität des reflektierenden Lichts und das so gefärbte Objekt schliesslich schwarz erscheint. Cyan absorbiert Rot, Yellow absorbiert Blau. Ihr Gemisch absorbiert somit Rot und Blau, es reflektiert daher nur Grün. Prinzipiell eignen sich die primären Druckfarben, YCMK, auch zum Malen, da sich mit ihnen, zusammen mit Weiss zum Aufhellen, prinzipiell alle Farben mischen lassen, die auch Farbdrucke zeigen. Mischfarben dienen in erster Linie nur der Bequemlichkeit, könnte daraus gefolgert werden. Aber, so trivial lässt sich die farbige Welt dann doch nicht wiedergeben, beziehungsweise malen, gross sind die Einschränkungen der subtraktiven Farbgebung, und umso erstaunlicher sind die phantastischen Leistungen der grossen Maler, die ihr Handwerk derart beherrschen, dass sie ihre Wahrnehmung glaubhaft auf Leinwand in Szene setzen konnten, und, mit viel Übung und Können, wahre Kunstwerke schufen. Manchen Künstlern malten bis ins hohe Alter, wobei sie die Farbgestaltung ihrer Bilder teils dramatisch änderte, was oft ein Zeichen für altersbedingten Abbau des Sehvermögens ist, als Folge durch Trübung, Verfärbung der Augenlinse, Abbau der oder Ablagerungen auf der Netzhaut sowie Demenzen bedingter Fehlverarbeitung der Sinneseindrücke. Das Erlebnis Farbe ist übrigens weit mehr als die Fähigkeit Farben im sichtbaren Lichtspektrum unterscheiden zu können. Denn neben assoziativen Bezügen, hängt die Wahrnehmung eines einfarbigen Objektes stark von der Farb- und Materialeigenschaft sowie der Farbe des direkten und umgebenden Lichts, aber auch von farbigen weiteren Objekten in seiner unmittelbaren Umgebung ab. Es mag erstaunen, dass blaue Rechtecke, gedruckt mit demselben Blau, mit einem grauen Rahmen anders farbig wahrgenommen werden, als deren gelb umrandete. Der Farbeindruck kann durchaus sehr individuell sein. Diskussionen in sozialen Medien entstanden sogar darüber, ob nun ein hellgrau-schwarz gestreiftes Kleid, blau- oder gelb-gestreift sei. Offenbar, kann selbst da Farbe wahrgenommen werden, wo nachweisslich gar keine ist. Der Grund wird im, von Person zu Person, unterschiedlich prozessierten Weissabgleich in der Signalverarbeitung des Gehirns vermutet. Der Weissabgleich berücksichtigt die Farbtemperatur des „weissen“ Lichts. Würde das Gehirn keinen Weissabgleich machen, fehlte die Farbkonstanz und Objekte erschienen, abhängig von der Tageszeit, stets in anderen Farben. Ein weisses Objekt würde, vom frühen Morgen bis zum Mittag, von rot über gelb zu weiss oder blau wechseln. Eine der glaubhafteren Erklärung zum Kleid lautet nun: Den Weissabgleich könnten verschiedene Personen entweder auf die vermutlichenahrscheinliche Tageszeit der Aufnahme oder diverse dem Kleid auf der Fotografie näherliegende Objekte beziehen, was schliesslich die Farbunterschiede der Streifen in den Diskussionen in den Medien erkläre. Diese Erklärung klingt nachvollziehbar, besonders für die, die schon die Farbtemperatur von Bilderserien nachbearbeitend abgeglichen haben.

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