Ist Mobbing aktuell?

– Oder eher ein zwingend zu kontrollierendes, teilbewusstes Relikt vergangener Tage?

Über eine einleitende Fiktion zur übergeordneten Betrachtung des Phänomens Mobbing in Gesellschaft

2020 © FarbigeWelt

‚Alphi war in manchen Spielen viel besser als Gleichaltrige, aber in vielen erreichte er kaum durchschnittliche und einigen weit abgelegen, schlechte Resultate. Leider oft in Bereichen, die zum sogenannt Normalen gehörten, das man sogenannt einfach konnte. Manchmal erschien es Alphi so, als ob die anderen eine ihm unbekannte Art der Sprache verwendeten, mit der sie sich absprachen. Für Alphi besonders unheimlich synchronisiert konnte ihn eine Gruppe Kinder auslachen, wobei sie ihn auch mit verletzenden Aussagen zudecken konnten, die sie wie aus der selben Aufzählung aus einem ihm unbekannten Buch nahmen. Oft reagierte Alphi darauf mit tobendem Zorn, hochroten Kopfes, ob der ihm zuwiderlaufenden Ungerechtigkeit. In der ihm eigenen, trägen Art, konnte er keines der anderen, flinken Kinder erreichen, egal wie wütend er wurde, er schlug immer ins Leere und die Kinder überschlugen sich vor Lachen.

Die elterliche Aufsicht beendete den Hohn in diesen Fällen, in zur Ruhe bittendem, nachdrücklichen Ton: „Macht ihr Euch wieder über Alphi lustig und ihn damit fertig? Schaut mal er ist ganz erschöpft, nur weil ihr ihn so auslacht und mit Hohn verletzt. Das findet niemand nett! Wer von Euch will die Rolle mit Alphi tauschen? Ein jeder hier Foppende, können wir in eine Runde sperren, die sich zu ihm gleich verhält, wie eure Gruppe hier sich zu Alphi. Wer dies nicht selbst erfahren will, sei sofort ruhig und strecke die Hand auf!“

Die Aufsichten liessen alle Kinder lange und entwicklungsgerecht spielen, griffen jedoch ein, falls ein Spiel eine höhere Ordnung zu sehr störte.‘

Spott, Hohn, Witzelei und Abgrenzung gehörten stets in Grenzen dazu, und waren normal, wo sich jedoch Massen bildeten, die sich im Gleichschritt gegenseitig aufschaukelten, um einzelne, wenige auszugrenzen, durfte nicht gewartet werden, denn dieses Spiel war keines, sondern urinstinktiver Ernst, dem rechtzeitig Halt geboten werden musste.

Dieser Ernst gleicht der stammes-geschichtlichen Jagd auf Wild, Fehlbare oder Auszustossende, wobei Kräfte und Energien freigesetzt, gebündelt und aufs Objekt im Zentrum fokussiert wurden, bis das Objekt starb oder gebrochen wurde und von da an sich vor jedem Einzelnen der Gruppe nur noch verängstigt nähern konnte.

Bei den jüngeren Kindern spielt sich dieses Mobbing unbewusst auf der Basis Jahrmillionen alter Instinkte der Rudel-Jagd ab, bei der besonders schwache oder einzelne, starke, der eigenen Gruppenstärke ziemlich unterlegene, Wesen gejagt werden, ohne dabei Halt vor Individuen der eigenen Spezies zu machen.

Die Spielregeln des Mobbings fangen einfach an: Wer nicht mitjagt, wird selbst zum Gejagten, es sei denn, erste Erweiterung der Regeln, wer nicht mitmacht lenkt, definiert also das Ziel, und führt die Gruppe und deren Aktivität zum Ziel. Der Mob entlädt sich nach erster Erweiterung weniger archaisch, das heisst weniger instinktiv, da nun einer neuen Regel unterworfen, die eine Führungsrolle schuf, welche allgemein akzeptiert wurde, und die ausserhalb des Mobbings tief im Verhalten Einzelner verankert ist.

Beinahe banal erklären sich hiermit, viele gesellschaftliche Beobachtungen, unter anderen, dass Völker sich selbst unter schlechten, individual Bedingungen, kaum gegen die Obrigkeit auflehnen und Revolutionen, die zu einer neuen, nachhaltig für die Basis vorteilhaftere Ordnung führen würden, eine äusserst selten, wenn nicht gar schier unmögliche Erscheinung sind.

Es mag an Anmassung grenzen, zu behaupten, eine grundgerechtere Ordnung, könne nur über Generationen und allmählichen zu jener gerichteten Wandel verdient werden. Der Wandel, zu dem eine Generation die nächste erzieht und bemächtigt, die wiederum die Schritte des Wandels der nächsten Generation beibringt oder könne nur, leider, über Generationen von Aussen diktiert werden, bis eigene Reihen reif dafür sind, des Diktates tieferer Sinn zu durchdringend und zu verstehen und zu verinnerlichen, um es an seine Mitmenschen weiterzugeben.

Wer bedenkt, in drei Generationen könne vieles geschehen, das die ehemals angelegten Tugenden verkennt und nicht billigt, wenn nicht gar ins Gegenteil wendet und so dann, das arglose Volk missbraucht, das Jahrhunderte des Strebens nach Freiheiten, Familiärem und Gerechtigkeit für Alle, den niederen Urinstinkten zum Frasse vorwirft, der habe zu Teilen Recht, doch ihm fehlt die Geduld des einfachen Bauern, des Landschaft Gärtners, des Laubwald Försters und erst recht besonnen, langfristig ausgerichteten Institutionen wie teil-weise alte Staaten, Städte, manche Kirchen, Unternehmen, Vereine, Parteien und Geschichten, viele Märchen, Sitten wie auch Traditionen und Überlieferungen.

Wer, wohin des Weges?, fragt, sollte ebenso fragen, wessen Art mein Freund?

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