Filterblase

Ich verstehe nicht, warum hierzu offensichtliches übersehen werden solle, ja gar von ihr ausgehend ernstzunehmende Gefahr drohe. Seit ich mich erinnere, fanden sich Kreise, die sich einem Thema oder Tätigkeit besonders widmeten.

Ein nicht allzu ernstzunehmender Erklärungsversuch meines Unverständnisses:

<<„Filterblase“ wurde im Jahr 2016 zum Wort des Jahres in der Deutschschweiz gekürt.

Die Filterblase (englisch filter bubble) oder Informationsblase ist ein Begriff der Medienwissenschaft, der vom Internetaktivisten Eli Pariser in seinem gleichnamigen Buch von 2011 verwendet wird.>>

https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Filterblase&oldid=195180088

Ein erst neun Jahre alter Begriff, aber das bezeichnete Phänomen ist mehrere Tausend Jahre alt – Zu welcher Zeit spezialisierten sich wohl keine Gruppen, die sich, um ihre Ausprägung der Wahrheit scharten und sich in ihrem Glauben an sie gegenseitig unterstützen? – ist daher längst keine Folge der Social Media oder der Suchmaschinen. Durch der Filterblase Digitalisierung, ihrer laufenden Optimierungen und ihrer gezielten, Einsetzung für personalisierte Werbung, wurde die Filterblase höchstgradig professionalisiert. Ihre Nützlichkeit für die Benutzer der virtuellen Freundeskreise und Mehrheitstreffer orientierten Internetdurchsuchmaschinen, liegt auf der Hand, eben gerade durch die personalisierte Einschränkung des Überflussangebotes an Kontakten, Themen und Informationen, wird die Auswahl der Vorschläge und Antworten nicht nur überschaubarer sondern auch zielgerichteter und Kontext orientierter und damit für den Benutzer anwenderfreundlich nützlich. Mit der Behauptung der Anbieter, der Menschheit in guter Absicht zu dienen, sprechen sie wahrheitsgetreu. Die Filterblase ist in ihrer ersten Instanz eine an sich gute Sache. Der perfide Konstruktionsfehler der Luftblasen-Algorithmen liegt ihrer verständlichen Möglichkeit der rekursiven Anwendung und der daraus, oft bewusst beabsichtigten, weiteren inhärent logischen, thematischen Einschränkung der angeboten Auswahl. Bildlich gesprochen, fängt eine Suche beispielsweise mit allgemeinen Katzenbilder an, wird verfeinert nach Fellfarbe, dann eingeschränkt auf liegende Katzen und weiter auf dem Rücken liegende, bis die gefundenen Bilder dem gleichen, das der Suchende vor wenigen Minuten in seinem digitalen Freundeskreis veröffentlicht hat. Wäre es nach all der Arbeit, die der Suchende in die Suchmaschine gesteckt hat, nicht ein Vorteil für andere Suchende mit öffentlichen Katzenbildern, die eine liegende Katze zeigen, auf Anhieb zum allgemeinen Begriff Katze, Bilder mit auf dem Rücken liegenden Katzen derselben Fellfarbe darzustellen? Solange die generische Suche einfach, mit einem zusätzlichen Begriff, die Filterblase verlässt und wieder allgemeinere Treffer liefert, ist dagegen wohl kaum etwas einzuwenden. Fatal wäre jedoch, die Suche würde sich stur und nur noch auf liegende Katzen konzentrieren. Wer würde einen Suchalgorithmus, der zu „Katze“ nur Bilder zeigt, von auf dem Rücken liegenden, der eigenen, veröffentlichten Katze gleichenden, weiter benutzen wollen? So trivial dieses Beispiel auch sein mag, der prinzipiell gleiche Vorgang kann sich bei beliebigen Suchanfragen abspielen.

Welches Gemüt ist schon derart simpel, dass es die Schlagseite der gelieferten Vorschläge und Treffer übersieht und echt daran glaubt, Katzen lägen die meiste Zeit auf dem Rücken?

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