Wegwarte am Rande der Galaxis

Wie so oft, verpacke ich in Worte, die nach meinem Ermessen, während des Schreibens, in näherem oder weiteren Sinne, zum Kern einer zentralen Botschaft gehören, obwohl ich eigentlich, Aphorismen langer Rede vorziehe. 

Descartes, 1637ff nc, oft lakonisch übersetzt zitiert mit:“Ich deke, also bin ich.“ – „ego cogito, ergo sum“ bzw. „ego sum, ego existo“ oder „Je pense, donc je suis.“, (vrgl.‘Cogito ergo sum‘, Wikipedia, 23.09.2019) – setzte einen Meilenstein auf dem Weg der Erkenntnis.

So kurz der Spruch, so unerschütterlich sein Wahrheitsgehalt. Ob absichtlich, wie vernünftigerweise angenommen werden kann, oder auch nicht, steckt in Descartes tiefgreifender Erkenntnis implizit: Mir meiner selbst bewusst werdend, bin ich, also existiere. 

Paulus schrieb, bereits 55 nc, in seinem Korintherbrief, sehr treffend übers Erkennen (K1Kor 13:12); wobei er an dieser Stelle, zwar nicht seine Existenz auf die Selbsterkenntnis zurückführte,  jedoch an anderer Stelle seine Existenz auf Jesus, durch dessen Erscheinen, nach Paulus’ Bekundung, er sich erst als Paulus erkannte, und seither sein früheres Selbst, Saulus, hinter sich liess. In diesem Sinne empfand sich Paulus als Saulus schemenhaft, denn in der Erscheinung, erkannte er das Ebenbild Gottes, Jesus, dem Mensch gewordenen Gottessohn. Aus dieser einschlägigen Erfahrung, folgerte Petrus, in Existenz käme, wer an Jesus glaube. 

Vielleicht das Neue, an Descartes  Gedanke, wird nun offensichtlich. Nämlich, dass Descartes seine Existenz alleine auf sich selbst bezog. Da er, wie er selbst erklärte, bis auf das Mindeste abstrahierte, in dem er an allem zweifelte, bis nur das Denken blieb, das er nicht anzweifeln konnte, weil es im Zweifel implizit ist. 

Nichts ist nicht existent. Etwas ist nicht Nichts. Was ist, ist existent, da nur Nichts nicht existent sein kann.

Denkt Etwas, ist es existent, selbst wenn es nichts anderes als dachte. 

In Existenz tritt, was auf Etwas anderes als auf Nichts reagiert. Etwas-Interaktionen geschehen meist frei jeglicher Erkenntnis. 

Würden die Interaktionen erkannt, was sollte das auch ändern?

Oder, ändert Erkennen vielleicht mehr als angenommen? 

Rätselhaftes wird erzählt und beschrieben, wie zum Beispiel über die Doppelspalt-Experimente, bei welchen Interferenz- oder Schablonen-Muster entstehen, wenn Licht-, Elektronen- oder Atom-Strahlen, mal als Welle, mal als Teilchen, den Doppelspalt passieren. 

Die Welle korpuskeliere, im Moment der Messungen der Teilchenimpulse, wenn aus Impulswerten erkennbar wird, auf welchen Wegen die Teilchen welche der beiden eng bei einander liegenden, schmalen Spalten passieren.

Diese Beobachtung könnte zur Annahme verleiten, die Messungen der Impulse, hätten die Aufenthalts- beziehungsweise die Impulsvektor- Wahrscheinlichkeiten der Teilchen durch Energiezufuhr beeinflusst und damit im Rahmen der Heissenbergschen Unschärferelation definiert, wodurch die Wellenfunktionen kollabierten. Allerdings widerspräche dieser vernünftigen Vermutung das nächste, an sich gleich aufgebaute Experiment, dessen einziger Unterschied darin besteht, absichtlich flüchtige Messwerte erst nach der Multiplikation mit Zufallszahlen für die weitere Auswertung festzuhalten (womit Impulse und somit Wege der Teilchen unbestimmbar bleiben). Mysteriös werde das Verhalten des Teilchen-Strahls im zweiten Experiment, da trotz der Impulsmessung, die Welle weiter bestünde und ein Interferenz-Muster hinter dem Doppelspalt zeichne.

Stimmten die Schilderungen zu

den Doppelspalt-Experimenten, hätte der Experimentator, laut der Beobachtungen des zweiten Experiments unabhängig von der Art der Messung, Einfluss aufs Experimente dieser Art, vorausgesetzt die Messreihen sind auswert- und damit erkennbar.

Erkenntnis konkretisiere Wellen als Teilchen respektive Teilchenstrahl imI Bestimmen der Impulse oder der Orte der Teilchen. Messbar sind jeweils nur die einen oder die anderen, weil beide in Beziehung stehen und je kleiner die betrachtete Teilchenmasse desto unmöglicher die präzise Messung beider Eigenschaften zur selben Zeit. 

Jede bekannte Art der Messung hat Einfluss auf das Gemessene. Im Makrokosmos kann der Einfluss der Messung oft vernachlässigt werden, da der miteinhergehende Energietransfer ein Bruchteil des Energieinhalts des Gemessen beträgt. Im Mikrokosmos hingegen, kann der Energietransfer der Messung gar den ursprünglichen Energiegehalt des Gemessen  übersteigen.

Kann der Teilchen-Welle-Dualismus auch bei Makroobjekten beobachtet werden? Eher nicht. 

Oder vielleicht doch, wenn entsprechende Raum- und Zeitmassstäbe gewählt werden?

Was wenn alles Mögliche im Wahrscheinlichkeitszeitraum angelegt wäre, aber erst durch Erkenntnis definierte Gestalt annähme? 

Nicht der spontane, zeitlich zufällige Zerfall eines Radionuklids und die damit mögliche, automatische Tötung bei der Detektion eines Zerfalls, kille Schrödingers Katze, sondern das Erkennen ihres Zustandes nach dem Öffnen der Truhe, entscheide über der Katze Leben. Über die Zeit kumuliert zwar die Wahrscheinlichkeit der Katze Tötung, aber eben nur unbestimmt. Die Katze nähme abhängig von der Halbwertszeit einen Zustand zwischen lebendig und tot ein, der eben nur durch ein erkennendes Sein konkretisiert werde. Schrödinger hatte vermutlich einen bildhaften Humor, so wählte er den griechischen, grossen Buchstaben Psi, der einem Dreizack gleicht, dem Zepter des Poseidons, griechischer Gott des Meeres, zur Beschreibung der Wellenfunktion, wohl kaum zufällig.

Welchen Grad der Erkenntnis setzt die Konkretisierung von Wahrscheinlichkeitszeitraum voraus? 

Was hindert daran, wenn nicht Erfahrung, den Umkehrschluss zu ziehen, dass nicht Erkanntes, nicht existiere? Wenn nicht eigene, die kulturelle Erfahrung lässt diesen Umkehrschluss nicht zu, wie folgende Fragen erkennen lassen: 

„Hatten Röntgenstrahlung vor der Entdeckung ihrer Schädlichkeit keine Wirkung?“, 

„Gab es vor Entdeckung der Bakterien und Viren keine Entzündungen, Eiterfluss oder Erkältungen?“ und 

„Sind Menschen die einzigen erkennenden und selbst reflektierenden  Wesen im Universum?“ 

Erste wie zweite Frage, kann die Menschheit aus Erfahrung bejahen. 

Die dritte Frage lässt sich nicht mit Sicherheit bejahen – zu gering sind zeitliche und räumliche Erfahrungen, gemessen am wissenschaftlich plausiblen Alter,  Ausdehnung und Fülle des Universums. 

Wird eine unvorstellbar geringe Unwahrscheinlichkeit, gewesener oder seienden, mindestens heutiger Menschheit ebenbürtiger Kultur angenommen und mit der beobachtbaren weit unvorstellbarerer Fülle des Universums in Bezug gesetzt, bietet sich rechnerisch auf die dritte Frage nur eine Antwort an: „Wahrscheinlich nicht.“ 

Verglichen mit der Anzahl möglicher Erkenntnisse der Menschheit früherer Jahrhunderte, hat sich die Anzahl, gegen Ende des zweiten Jahrzehnts im 21. Jahrhundert, um etliche Zehnerpotenzen gesteigert, mit exponentiell steigender Tendenz. Diese Tendenz kann zu Teilen der Leistungszunahme elektronischer Datenverarbeitung über die letzten vier Jahrzehnte, aber, und vor allem dem, Weltbevölkerungszuwachs und zugleich zunehmenden Anteil an professioneller Geistes-, Politik-, Sozial- und Natur-Wissenschaft sowie Technik zugerechnet werden. 

Wäre Existenz abhängig von Erkenntnis , wäre die heutige Menschheit existenter den je – wie eine kleine, unscheinbare Knospe, die erst langsam aufbricht, dann sich beschleunigt öffnet, und einst innewohnende, nun ausgebreitet,  prachtvolle Blütenblätter zur Schau stellt – womit die Blume, von weitem gut zu erkennen ist, den Weg zu ihrem Nektar weist, dem Lockmittel, doch weit mehr dem Dank im Überfluss für den Austausch von Pollen, den Paketen zum fruchtbaren Informationsaustausch gleichartiger, standortabhängiger Pflanzenwesen.