Der Ker‘ Ub neuer Spruch

Ho Li-Stigg, der Sohn einer asiatischen Porzellanfabrikantin und eines europäischen Windparkbetreibers, traute, unter der brennenden ägyptischen Sonne in der Wüste bei Kairo, seinen Augen nicht. Vor ihm stand, die in Stein gemeisselte Anmut der äonenalten Sphynx. „Es muss diese elende Hitze vom frühen Nachmittag sein.“, sagte Ho sich. Die Sphynx vor ihm war kurz zuvor noch schnödes, verwittertes Gestein, doch nun präsentierte sie ungesehene Farbe und Geschmeidigkeit. Ihr Fell glänzte und lag ordentlich als wäre es eben gestriegelt und reinlich geleckt worden. Der Schmuck aus Gold und Edelsteinen um ihren Hals funkelte ehrgiebig und erhaben. Unter ihrem schlafenden Antlitz erweichten sich Hos Knie. „Unmöglich.“, stammelte Ho klammen Herzens, das mehrere Schläge aussetzte als die Augen der Sphynx so zuckten als würde sie nach langem, tiefen, ruhsamen Schlaf erwachen. „Es muss am honigsüssen, bitteraromatischen Tee heute Morgen, von diesem schrulligen Araber Alachim Njid Phohydd, liegen.“ Li-Stigg versuchte sich zu trösteten, in dem er dies mehrfach zu sich sagte. Doch die Sphynx schlug, nach dem ihr wunderschönes Gesicht eine einvernehmende Farbe gewonnen hatte, ihre gleissend blendenden blauen Augen auf, gähnte kurz und freundlich. „Mensch, hör zu! Es ist höchste Zeit!“ Ihr Schwanz schlängelte sich gleitend am Horizont, wobei seine Spitze hin und her zuckte. „Legt die Hieroglyphen nieder! Hört auf die Wenigen vor Euch und öffnet Euch Ihrer Worte und Symbole. Was weit früher war, war falsch, was vor kurzem war, ist richtig und doch beides nebelhaft. Seid mutig und wagt zu erkennen, in Euch liegt einzig der Wahrscheinlichkeitsraum. Mensch! Merke Dir meine Worte und trage sie zu den Myriaden, denn ein Recht ist, was früher galt, keine Bilder machen.“

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