Nicht nur eine Frage des Standpunkts

© 2020, FarbigeWelt

Gibt es nicht diese wunderbare Aufforderung im Zusammenhang mit Anleitungen zur Übung des Gleichgewichts und der Aufmerksamkeit: „Mitten Sie sich ein, und …“?

Man stelle sich vor, weder erhöht noch erniedrigt und auch nicht zu einer Seite abgelenkt, im Hier und Jetzt, kurz der Gegenwart, bequem, locker und zufrieden zu sein, während Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und Wünsche, frei von jeglicher Wertung, involviert aber nicht mitgerissen, kommen und gehen, an einem vorbeiziehen, ohne stillzustehen, nicht ewig zu kreisen. So gemittet, aber nicht im Zentrum stehend und ohne Anspruch auf zentrale Funktion – denn damit würde nur sich und anderen im Weg gestanden – enttrübt der Blick und die Erkenntnis keimt, was liberal ist und Freiheit heisst.

Totenzähler V2.02

© 2020, Michael Trösch

Text aus aktuellem Anlass und Sorge, wegen des vor allem in China, aber tendenziell weltweit, teils sehr krank machenden, ansteckenden Coronavirus

Kaum ein Thema wird in jungen und mittleren Jahren so gemieden wie die eigene Sterblichkeit. Voller Lebensenergie und -erwartung ist es mehr als verständlich, seinen, hoffentlich weit in der Zukunft liegende, altersbedingten Todestag nicht nur zu verdrängen, sondern generell in Frage zu stellen. Schliesslich ist der medizinische Fortschritt rasant. Ewig rüstig und gesund zu bleiben und dazu auch noch das biologische Alter zurückdrehen zu können, keine allzu leere Versprechen mehr, denn nie wurde von Pharmariesen so viel in die Entwicklung zur Linderung und eventuell Heilung geriatrischer Krankheiten gesteckt, dazu gibt es Meldungen zu ersten Anzeichen der Verjüngung diverser biologischer Altersindikatoren, zwar nur an wenigen Probanden, aber dafür umso aussichtsreicheren Resultaten. Wer allgemein kerngesund ist und langlebige Grosseltern hat, und daher und aus anderen glücklichen Umständen keine Erfahrung mit dem Tod einer sehr nahe stehenden Person hat, muss sich sicher nicht mit Thema Tod beschäftigen. Der Begriff wird in diesem Falle kaum tiefere Bedeutung haben, umso weniger Jahrzehnte des Friedens und des kooperativen Wettbewerbs dazu führten, dass Schrecken, Elend, tödliche Gewalt, Seuchen und Notlagen nur aus Medien, Fiktionen, Dokumentationen und Geschichtsbüchern bekannt sind.

Dennoch können eben diese Meldungen und Darstellungen Ängste auslösen und schüren, besonders wenn ein Ereignis wie ein Zugunglück, eine Massenhysterie, ein Grossbrand, ein Terroranschlag oder eine neue, tödliche, hochansteckende Krankheit in kurzer Zeit eine grosse Anzahl Tote zu verzeichnen hat. Unverhoffter Tod, der wahllos und gleichgültig Menschen aus allen Gesellschafts- und Altersschichten trifft und einen unfassbar, unaussprechlich trostlos zurücklässt, besonders dann, wenn sich darunter eine bekannte Person aus dem eigenen Freundeskreis identifizieren lässt. Das fürchterliche dieser Vorfälle sind die bedauernswerten, tragischen, hohen persönlichen Verluste der Angehörigen und den daraus resultierenden teils weit überfordernden Einschnitten in die Befindlichkeit sowie der krasse Einschlag auf die einst so sorgfältige und liebevolle Lebensgestaltung. Zudem könnte es jeden treffen, tödlich, schwerst verletzt oder angehörig. Im Gegensatz zu Einzelereignissen, die zeitlich begrenzt sind, fordern Epidemien ihren Tribut über unbestimmte Zeit und Ausmass. Türmten sich die Leichen zahllos in der qualvollen Zeit der grassierenden, schwarzen Pest im Mittelalter namenlos auf den Leichenwagen, die zum anonymen Massengrab gekarrt wurden, um sie weg zu kippen, und um Platz zu schaffen für die nächsten Toten, kann im Zeitalter der weltweiten Informationsverteilung täglich über die wachsende Anzahl und Ausbreitung berichtet werden. Die Opfer von heute müssten nicht namenlos, abstrakt hinter einem laufend aktualisierten Zähler versteckt werden, im Gegenteil, denn Dank den Vorzügen der Digitalisierung, könnten global zugängliche Andachtslisten geöffnet werden, die durch die geteilte Anteilnahme vieler, den Angehörigen pietätvoll Trost zu spenden vermögen, der umso dringender gebaucht wird, je ferner der Tod unter gewöhnlichen Umständen erscheint.

Wie verschiedengleich sind Ihre Menschen?

© 2020, Michael Trösch

Sie fragen Sich wahrscheinlich was der Fehler in der Frage soll. Genau so gut Sie sich fragen, wofür rotgrüne steht. Manche Begriffe lassen sich eben nicht direkt aus der Wortwahl deuten. Die zusammengesetzten Worte rotgrüne und verschiedengleich sind, wörtlich und üblich interpretiert, implizit Widersprüche und müssten sich, logisch betrachtet, als sinnlos erweisen. Je nach Art der Farbmischung ist rotgrün [R+G, CY+MY] entweder gelb (RG) oder schwarz mit Gelbstich [CYMY]. [Additiv, Bildschirm: R Red, G Green, B Blue. Subtraktiv, Drucker: C Cyan, Y Yellow, M Magenta.] Sobald anstelle von Farbenlehre, Politik als Kontext für rotgrüne angenommen wird, löst sich der implizite Widerspruch auf, da die Farbattribute stellvertretend für eine Parteien-Koalition stehen, wobei sich eben jede Partei mit eigener Farbe beflaggt. In verständlichen Sinne steht das Wortpaar rotgrüne Streifen, dagegen macht rotgrüner Streifen wenig Sinn, es sei denn, es handle sich um einen rotgrün gemusterten Streifen. Was ist nun aber mit verschiedengleich? Mit oberflächlicher Logik, klingt das Wort nach blankem Unsinn. Da verschieden unter anderen nicht gleich bedeutet, und nicht negierend ist, wird durch abstrahieren verschiedengleich zu -1 + +1 = 0, wobei das Resultat für den Sinn des Begriffs steht. Eine Null zeigt, dass sich die Bedeutung der Fügung der beiden einzelnen Worte nihiliert. Fehler bei der Anwendung von hochkomplexen Geistheiten wie der Sprache oder der Mathematik können durchaus und aus vielen Gründen passieren. An einen Text-Titel, sei er Thema bezogen, blosser Aufmerksamkeitsfänger oder Kombination der beiden, sollte der Anspruch gestellt werden, stimmig zu sein. Lassen Sie uns einen Schritt zur Seite machen und verschiedengleich unter anderem Winkel betrachten. (Was sehen Sie nun? Sie wissen nicht, wie zur Seite gehen? Zugegeben, eine Wahl aus dem Grossangebot der Seiten fällt schwer, es wird einfacher, wenn ich kurz beschreibe, was ich sehe. ) Anstatt einer Addition bei der Fügung anzunehmen, kann auch eine Multiplikation angenommen werden, im Falle von Widersprüchen, passen, Euklidische Geometrie vorausgesetzt, orthogonal ausgerichtete Achsen bestens, da der Abstand ihrer Punkte, jeweils vom Ursprung der jeweiligen Achse gleich entfernte, mit 90 Grad [pi/2] am grössten ist. So, könnte man sagen, können sich die Gegensätze gegenseitig nicht beissen. Durch das Auffächern von verschiedengleich wird eine Fläche erhalten, die als Tabelle genutzt werden kann, die praktisch die Möglichkeit bietet das eingangs vermeintlich widersprüchliche Attribut mit Details näherbringend zu beschreiben. Auf Anhieb klingt diese Beschreibung vielleicht realitätsfern und abstrakt. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Einmal vom Zahlenstrahl der Natürlichen Zahlen inklusive der Null und die negativen, abgesehen, gibt es in Natur kaum und wenn, nur wenig lineares zwischen Gegenpolen Aufgespanntes. Nehmen Sie zwei beliebige, Ihnen gut bekannte, natürliche Personen und notieren Sie in einer Tabelle mit den Spalten Gleich und Verschieden, Beschreibungen, Attribute, Fähigkeiten, Charakterzüge wie: Ein Kopf, zwei Hände, zwei Füsse, gesund, liebenswürdig, gesprächig, etc. Wie verschiedengleich sind Ihre Menschen?