Die Wahrheitspartei

(fiktiver Artikel)


© 2020, Michael Trösch alias FarbigeWelt

Praktisch über Nacht gelang die junge, für kaum bekannt gehaltene Wahrheitspartei zu einer erklecklichen Anzahl Stimmen und damit Sitzen in beiden Räten sowie zum Anspruch auf etliche zentralen Stellen in den Stadt- und Gemeinde-und Verwaltungen. Die Wahrheitspartei gewann am Sonntag ihre Stimmen auf Kosten aller in der Regierung etablierten Parteien, deren jede prozentual um ungefähr gleiche Anteile verlor. Dieses Resultat ist somit beispiellos seit Beginn der modernen Demokratien,denn noch nie hatte eine einzelne Partei Wähler aus dem ganzen Spektrum von Link, über die Mitte, nach Rechts überzeugen können. Als wäre dies nicht schon genug Armutszeugnis für die etablierten Parteien, gelang es der Wahrheitspartei zudem einen nicht vorauszusehenden Anteil der passiven Wähler zu aktivieren, die bisher, offenbar durch das Fehlen geeigneter Parteien beziehungsweise Volksvertreter, ihr Recht auf Stimmenthaltung ausübten. Der Hinweis auf diese Möglichkeit lag zwar in der langjährigen Tendenz der Abnahme der Stimmbeteiligung. Wie sich nun herausstellte, beruhte diese nicht alleine auf politischem Desinteresse und Stimmfaulheit, sondern auf passivem Widerstand gegenüber der Politik an sich. Kurzum die Wahrheitspartei torpediert das Wesen aller bisher gewählten politischen Personen jeglicher Farbe, die trotz unterschiedlicher Meinungen in Auftreten Gemeinsamkeiten beweisen, auf der die nun zu Tage geförderte allgemeine Unzufriedenheit vieler Wähler ä, leicht nachvollziehbar, basiert. Ein, unter der Hand geteilter, geläufig begründender Zynismus der Nichtwähler lautet seit jeher: „Warum sollte ich mitwählen, wo doch nur die Wahl zwischen Pest, Syphilis und Cholera besteht?“. Wo diese Haltung um sich greift, muss etwas im System der Demokratie besonders schief fahren und eines Tages mit zunehmender Wahrscheinlich kentern. Der Wahrheitspartei gelang am Wochenende das glorreiche Kunststück, mit ihrem geschichtsträchtigen Sieg, Kräfte zu mobilisieren und das Staatsschiff aufzurichten, bevor die Demokratie zur Farce degradierte. Die Wahrheitspartei bewahrte so die freie, direkte Demokratie vor dem drohenden Unheil, dem mehr als zu bedauernden Untergang durch den schleichenden und überaus grässlichen Verlust der Wahlbeteiligungsanteile. Denn wird die Marke von Einundfünfzig Prozent erst einmal um rund Fünf Prozent unterschritten, verliert die Demokratie eigentlich jede Daseinsberechtigung, weil, spätestens ab, dann das ganze politische System, nur noch von einer Minderheit der Bevölkerung zum Regieren autorisiert würde, was weiter durch das bestehende Mehrparteien System, in dem keine der grösseren Parteien alleine die Mehrheit geniesst und wie in anderen Staaten für sich alleine walten darf, verschärfte. Interessant wird im späteren, zum einen die Analyse, wie es zur aktuellen Lage kam und besonders, worin sich die Wahrheitspartei in ihrem Programm wesentlich von den anderen Parteien unterscheidet, dass ihr diese historisch erstmalige Umstimmung auf breiter Front und die frisch gewonnene Zuversicht vieler Bürger auf Anhieb in ihrer ersten Wahlaufstellung überhaupt gelang. Es wäre nur allzu verständlich, die bestehenden Parteien gerieten nun in Panik, wurden wir doch eben Zeugen der Eröffnung eines demokratisch mit gewaltfreien Mitteln geführten Bürgerkrieges, einer tiefgreifenden Revolte, deren erster Zug im breitseitigen Wurf der Kaperhacken und rasch anschliessendem Entern des verwöhnten Staatsschiffes, in voller Wohlfahrt, stürmte. Hoffen wir, dass die nun anstehenden Neubesetzungen nicht auf allzu grosse Widerstände stossen und nicht in einem schrecklichen Gemetzel um die besten Stationen auf und unter Deck führen. Eines ist sonnenklar, die Fahrt vor uns führt direkt in aufgewühltes, turbulentes Gewässer mit mächtigen Stromschnellen und arg rotierenden Strudeln.

Leises Leder

© 2020, Michael Trösch

Der Forscher kicherte in kurzen Abständen bei seiner Arbeit. Obwohl das Kichern irgendwie vergnügt klang, spannte sich Markoffs Haut auf den Unterarmen, aber die Spannung reichte knapp nicht, um Hühnerhaut zu bilden. Besonders auch darum nicht, weil Markoff zur abgebrühteren Sorte der Laufburschen, des lichtscheuen Ganovens Rikki Manzoni gehörte. Markoff liebte seine neuen Schuhe. Sie sahen nicht nur edel aus, sondern waren auch sehr bequem, was schon ansich ziemlich rar anzutreffen war. Zudem konnte Markoff ohne Vorsicht und sehr zu seinem grösseren Erstaunen, praktisch so gut wie unhörbar auf den Sohlen dieser unglaublichen Schuhe gehen. Markoff hätte sich kaum darüber gewundert, gäbe es einen geheimen Trick, welcher die Schuhe dazu veranlassen konnte, spitze Krallen auszufahren. Markoff hatte seine Schuhe vormals, auf einem Neumond Wandermarkt in Neapel, einem kauzigen Kerlchen mit sonderbarem Ostküstendialekt als kaum getragene Zweithandware abgekauft. Der erst wenig gesprächige Verkäufer setzte eine recht eindeutige Mimik auf, als er Markoffs alte Schuhe entdeckte und sagte:“ Sie gehen viel und stehen oft stundenlang, no? Kaufen Sie diese hier. Die passen Ihnen perfekt, si, si. Hören Sie auf Ihre Füsse, und nicht auf Ihren Buchhalter, si?.“ Danach liess er Markoff, bis dieser sich durchringen konnte, den für ihn eher unverschämten Preis für Zweithandware, endlich zu akzeptieren. Das kauzige Kärlchen versicherte ihm, die richtige Entscheidung getroffen zu haben und überreichte ihm die sorgfältig verpackten Schuhe in einer Tragtasche aus einfarbigem, hellbraunen, festen Papier. Markoffs neuen Schuhe wären von einem älteren Schuster gemacht worden, der seit seiner Lehre bei seinen Leisten blieb. Schade, dass dieser nur noch wenige Exemplare über die letzten Jahre angefertigt habe. Der vorherige Besitzer der Schuhe habe übrigens unsagbares Glück gehabt und diese hier gegen vom Schuster persönlich auf Mass angefertigte Exemplare binnen weniger Tage, gegen einen bestimmten Preis, tauschen können. Markoff kümmerte sich in der Regel nicht um Verkäufergarn. Kurz auf seinen Kauf, ärgerte er sich über eine temporäre Schwäche für das kauzige Kerlchen mit seinem ziemlich überladenen, aber gut sortierten, erstaunlich sauberen, älteren Marktstand, der zudem fein nach gutem, bequemen Leder roch. Einiges später, bereits nach wenigen Schritten in der hohen Grossstadt Markthalle, von der aus Markoffs dickhäutiger Boss seine zwielichtigen Geschäfte führte, vergas Markoff den überhöhten Preis seiner neuen Treter. Sie waren nicht nur bequemer als alles, was er zuvor trug, sie waren lautlos. Kein Schritt hallte in der räumigen, leere Vorhalle, abgesehen von den beidseitig verlaufenden Säulenreihen. Markoff fühlte sich für einen magischen Moment so glücklich, wie seit dem einzigen frohen Sommer seiner frühen Kindheit nicht mehr. Markoff fragte mit voller Stimme hinter dem Rücken des kleinen, schmalschultrigen Forschers: „Herr Professor Zwahlenfluh, wie steht es um den Fortschritt Ihres kleinen, geschmacklosen Projektes?“ Der Forscher erschrak, zuckte kräftig zusammen und hätte beinahe den Glasträger zerbrochen, den er eben noch eifrig und intensiv musterte. „Sie! … Wie können Die! … Ich habe Sie nicht kommen hören. Erstaunlich, bei der Akustik dieses glattpolierten Steinbodens und der grossflächigen Fensterreihe im Osten. Echt, ganz schon schauerlich!“ – „Das Projekt, Ihre Fortschritte!“, raunte Markoff ungeduldig mit Nachdruck.

Die Ältesten riefen das allzu fragende Kind, Diaid, fürs erste in den Ring auf.

© 2020, FarbigeWelt

Diaid war nervös, neugierig und gelangweilt zugleich. Die anderen Kinder im Dorf erzählten Diaid unterschiedliche Meinungen. Die einen meinten, es sei eine gross Ehre, vor die Ältesten zu treten, die anderen meinten, Diaid wäre zu neugierig, frage zu viel und breche stets von Neuem die alten Traditionen. Für Diaid war klar, die Kinder ahmten nur nach, was die Mittleren in ihren Kreisen beredeten. Diaid fand die Vormacher und Geschichtenerzähler der Mittleren weitaus spannender als die älteren Kinder. Mit den Kindern hatte er schon lange keinen Spass mehr, die waren ihm zu spontan, konnten kaum mehr als sich ständig gegenseitig necken oder ahmten in rascher Folge wechselnd, und ohne ersichtliches Ziel, zusammenhanglos die Rollen der älteren Mitglieder in der Sippe nach, vermutlich ohne zu wissen, was sie taten. Die Rollen und Tätigkeiten der Jüngsten waren da weitaus klarer, aber auch starrer, und viele der Mittleren schienen auf wenige Dinge und Tätigkeiten fixiert, die sonst keiner in der Sippe in der ihnen eigenen Geschicklichkeit ausführen konnte. Selten gingen von der Sippe mehr als drei, derselben Tätigkeiten nach. Abgesehen von den Geschichtenerzähler, sprachen die Mittleren wenig. Sie machten hin und wieder Bemerkung zur Stimmung in der Sippe und wiederholten die letzten aussergewöhnlichen Neuigkeiten, ansonsten benutzten sie ihre Mimik und Gestik zur Koordination ihrer Tätigkeiten, was Diaid eine lange Zeit beobachtete, weil er darin, das Eigentliche erklären könnte, was die Sippe ausmachte und sie seltsamerweise einigte. So gerne er auch Teil der Sippe gewesen wäre, aber nur zu oft gescholten wurde, weil er sich in den Nachahmer Spielen im Vergleich mit den anderen Kinder sehr schwerfällig fühlte, dazu fiel es ihm schwer, die Gesten erwartungsgemäss zu erwidern, besonders dann, wenn ein kurzes Gespräch, seiner Meinung nach, weit angebrachter wäre. Nur wenn es um Tätigkeiten ging, die er bereits gelernt und geübt hatte, konnte Diaid sich ebenso gut über der Körpersprache koordinieren wie alle anderen. Diaid ahnte, für sein Alter von fünf zweite Ernten, früh, dass er in Gefahr lief zu einem Aussenseiter zu werden, wobei er im besten Fall nur geduldet, im schlechtesten aber ausgestossen und vertrieben werden könnte. Angst mischte sich in seine diversen Gefühle. Diese Gefühlsmischung strapazierte ihn allmählich sehr und ungeahnte Verstörung reckte sich, aus einer besonders dunklen Ecke von verborgenen Regungen, mit suchenden Klauen an knöcherigen, gebleichten Fingern tastend Diaids jungem, unerfahrenen Verstand langsam und strebsam entgegen. Mit, in Gefahr laufend, im nächsten Moment in die Tiefe zu stürzen, flauem Bauch, stark pochendem Herzen und weichen, zittrigen Knien, wartete er darauf endlich aufgerufen zu werden, während Gedankenfetzen mit sich rangen und unangenehme Gefühle in sich mischten, wovon einzelne nach Hegemonie strebten. Bisher nie, hatte Diaid geahnt, dass er von seinem Inneren derart gequält werden könnte.

„Diaid! Trete ein und setzt Dich kniend in den Ring!“. Endlich. Diaid wurde er aufgerufen. Sein Warten, dieses zähe, marternde Warten, nahm vorerst ein Ende.

Emergenz

© 2020, Farbigewelt

„Bist Du sicher, dass es diesmal klappen wird? Uns gehen allmählich die Gelder aus ind Deine Experimente verschlingen nun mal horrende Summen.“

„Was ist schon so sicher, wie dass Eins und Eins Zwei gibt? Je komplexer der Sachverhalt, umso mehr tendiert er zu vielfältigen, gleichwertigen, korrekten Interpretationen, wobei sich widersprüchliche durchaus aufheben können. Wir könnten diese kontroversen Lösungen weglassen. Sie führen eh nur zu polarisierenden, endlosen, hauptsächlich emotional geführten Diskussionen über Meinungsvorlieben, ohne eine Möglichkeit zur Bildung eines Konsens, also der kreativen Auflösung des Dilemmas, ganz im Gegenteil, die gleichwertigen Widersprüche führen zur gewaltdurchsetzten Eskalation über Schritte wie Überzeugung, Extremismus und diesem anschliessend Fanatismus. Wenn Du möchtest, kannst Du das Ganze auch als „Vollständigen Interpretationsraum mit gefächerten Strömungen mit teils lokalen Neutralisationen“ betrachten. “

„Deine Intelligenz in Ehren, aber was soll ich mit dieser Antwort? Was hat diese mit unseren Finanzen zu tun?“

„Na gut, salopp gesagt: Ich kann mir nicht sicher sein, ob dieser Versuch in Richtung erwünschter Fortschritte geht. Zur Erklärung des Interpretationsraum: Politik nehme ich multikomplex wahr, wobei mit nur wenige Personen auffallen, die für eine politische Karriere geeignet wären, weil sie, in anderen Bereichen, ein gutes Verständnis für diese, in der Politik typische, Art von Fragestellungen beweisen. Dazu möchte ich noch anmerken, die Populären sind, meiner Ansicht nach, ganz und gar nicht für Politik geeignet.“

„Wenn Du schon nicht sagen können willst, ob Dein nächster Versuch fruchtet, kannst Du wenigstens von Fortschritten der letzten Versuche sprechen?“

„Ich habe das Gefühl, Fortschritt anders aufzufassen als gemeinhin üblich. Für mich ist jeder gestartete Versuch mit beliebigen Resultaten ein Fortschritt, beziehungsweise ein Erkenntnisgewinn. Aber, das wolltest Du vermutlich nicht von mir hören.“

„Näherst Du Dich dem gesetzten Ziel mit dem nächsten Versuch.“

„Die Pfade können auf verschlungenen Wegen ohne direkte Sicht aufs Ziel führen.“

„Von Dir ist wohl keine klare Antwort zu erwarten heute.“

„Verstehe ich nicht.“

„Ja, ja. Jeder hat so seine eigenen Probleme. Streich Dir Deinen geplanten Versuch aus dem Kopf. Der Ausschuss konnte nicht verstehen, was Du geplant hast. Du machst Dir kein Bild davon wie verzweifelt die Geldgeber momentan sind. Mir scheint Du hast weder Sinn fürs Dringliche noch für Monetäre!“

„Reg Dich bitte wieder ab. Du weisst, doch, dass ich echt Probleme mit dieser Art von Auftreten und Kommunikation habe. So, können wir nicht weiterkommen. Vielleicht hat die Marketingabteilung den Investoren zu hohe Erwartungen geschürt. Ich hatte nach den kurzen Begegnungen mit den Verantwortlichen, nicht das Gefühl, wir hätten dasselbe Verständnis, was die möglichen Erkenntnisse aus der Ergebnisebene der Experimente angeht, und noch weniger welchen realistischen Fähigkeiten sie einen, eines zukünftigen Tages, ermächtigen könnten. Obwohl, die werten Damen und Herren, bei einigen meiner präsentierter E-Folien, schier in Verzückung gerieten, und sich wiederholt gegenseitig bestätigten mit den Worten: „All diese

Möglichkeiten, diese Chancen!“.

„Ha! Auch wenn ich Dich mittlerweile etwas besser kenne, Deine Aussagen werden nicht erträglicher. Kennst Du kein Erbarmen? Wie wäre es mit etwas Höflichkeit gegenüber Deinen Auftraggeber?“

„Ich denke jeder folgt einem Kodex. Meiner verbietet mir zu Lügen, um zu schmeicheln. Was denkst Du, weshalb, habe ich Dich angestellt? Meinst Du ich bemerke nicht die Änderungen im Gesichtsausdruck und der Körperhaltung anderer, wenn ich mit ihnen persönlich spreche? Zugegeben, ich habe bisher keine Regung verspürt, die Bedeutung dieser körperlichen Oberflächlichkeiten genauer zu studieren, obwohl sie, dem Vernehmen nach, vielen so einiges bedeuten. Ich bin überzeugt, es gibt andere, die dem Ganzen eine angemessene Bedeutung widmen. Übrigens, Du solltest wissen, ich bin sehr angetan, von Deinen zu beobachtenden Fähigkeiten und Deinem, wie ich vermutende, besonderen Geschick in diesen Belangen.“

„Oh. … danke …, hab vielen Dank! … Stets zu Deinen Diensten.“

„Bitteschön.“

„Wie wäre es, wir würden einen Teil Deiner Entwicklungen einzeln und unabhängig veräussern? Ich meine dabei jede davon mit einer auf die Hauptfunktion spezialisierte Firma mit individuellem Unternehmensauftritt und eigenem Sitz.“

„Faszinierende Idee. Prinzipiell denkbar ist das schon. Ob sich die Funktionen

gewinnbringend auf dem Markt verteilen lassen, halte ich für fraglich. Das sind aber auch nicht meine Sorgen. Ich verstehe davon zu wenig. Mir ist es ein Wunder wie auf den Märkten kann so beinahe alles verkauft werden, unabhängig von Funktion, Qualität und Alter. Daher, kann ich schlecht schätzen, welche Teile der Software isoliert als Produkt durchgehen.“

„Irgend ein paar vermeintlich brauchbare oder wirklich nützliche Funktionen wird Deine Software doch haben.“

„Bezogen auf das vorgegebene Programm des Mutterhauses, haben alle Funktionen, die zu schreiben, ich anleitete, eine nützliche Funktion und sei es nur optional. Vielleicht bin ich zu sehr mit dem Zusammenhang aller Teile beschäftigt. Würde ich Automatikgetriebe mit sieben Gängen entwickeln, und würde gefragt, ob sich Gänge auch einzeln anbieten liessen ich käme nicht minder ins staunen.“

„Warum findest Du die Idee dennoch faszinierend?“

„Nun, ja. Ist das nicht offensichtlich? Selbst wenn ich wollte, ich könnte auf diese Idee der Isolierung der Einzelfunktionen nie alleine kommen. Der zweite Teil der Idee, finde ich unabhängig vom ersten Teil echt schlau.“

„Du hast mich nicht verstanden. Dein Beispiel mit den einzelnen Gängen ist daneben. Hast Du sicher schon von Ersatzteillagern gehört oder wie Konzerne zerschlagen und vereinzelt, in der Summe gewinnbringend, verkauft wurden?“

„Ersatzteile? Wovon? Von Software? Das Zerschlagen eines Konzerns dagegen, klingt wie eine ernstzunehmende Drohung. Ich glaube fast, ich benötige bis morgen Mittag dringend ein paar passende Einfälle.“

„Schön wär ‘s! Du wirst aber bereits um Zehn Uhr erwartet. … Sorry, … glaub mir, diese Zeit bereitete mir erhebliche Umstände. Üblich ist in ähnlichen Fällen Sieben Uhr.“

„Na dann, … bleibt mir wohl nichts Anderes übrig.“

Wieder Grund. — Ein gewagter Blick in die Schluchten der hochgestapelten Metaebenen zur neue Weltsensation, der freien Plattform des berührendsten Wolkenkratzers in YA.

„Ganz schön windig hier oben.“

„He, he. So zerzaust, siehst Du ganz schön putzig aus.“

„Na, na. Dieses Allwetterzeug hält eben doch nicht, was es verspricht. Und Du liebst Doch lange Haare.“

„An Dir, meine Liebste. Bei mir muss ich fürchten, dass mir der Wind die letzten auszupft. Bevor mir die Sonne das Hirn trocknet, zieh ich mir lieber meine Schirmmütze über.“

„Du mit Deinen schrägen Bildersprüchen. Die Vorstellung eben, war nicht besonders appetitlich.“

„Ich trotze wenigstens nicht den Wettern und stehe stramm wie ein stolzer, von einem Stecken gerichteten, Macho, der seinen Bräuten, pure Männlichkeit suggeriert.“

„Komm, lass das! Geniessen wir lieber die selten klare Sicht heute. Überhaupt finde ich, müssen wir uns glücklich schätzen.“

„Fein. Hast Recht. Fällt Dir die Ruhe auch auf?“

„Welche? Du kennst doch weder Punkt noch Komma.“

„Sehr lustig, echt jetzt! Sind wir die einzigen hier oben? Ja? Seltsames Gefühl.“

„Soweit ich verstanden habe, lassen sie jeweils nur gemeinsam im selben Haushalt lebende, aber maximal zu fünft, Personen zusammen auf die höchste Plattform. Soll besonders eng sein.“

„Was heisst das schon in einer Super Size Nation? Die modernsten Lifte hier, könnten bei uns glatt als Warenlift durchgehen.“

„Manchmal bist Du unmöglich mit Deinen Spott!

„Welcher Spott?!?“

„Wie? Ach ja. Du nicht, Du denkst einfach nicht an die Gefühle anderer. Ich traue Dir nicht, was das angeht, trotz der vielen Jahre, die wir ein Paar sind.“

„Was kann ich dafür, wenn mich langwiebreite früher schon mal, in Schnellimbissstuben, von allen Seiten bedrängten und von vorn bedienten und mir daher spontan Hebebühnen und Einzelfahrten einfallen oder wie zwei versuchen, aneinander vorbeizukommen, auf einem fallseitig gesicherten, schmalen Rundpfad in luftiger Höhe?“

„Halt? Behalte diese Fantasien bei Dir! Wie oft habe ich Dir schon gesagt, dass ich sowas ungerne höre?“

„Denkst Du für mich ist das einfach? Passiert mir schneller als ich „Blopp“ denken kann. Manchmal, habe sogar ich Bedürfnisse und möchte loswerden, was mich eben gerade einnimmt.“

„Da, hast Du ’s! Kein Punkt, kein Komma! … Komm, lass uns schweigen und die atemberaubende Sicht auf das Himmelsprofil dieser mondänen Grossstadt werfen.“

„Mensch, wie schaut denn, das aus hier! Wie ein Hochsicherheitstrakt der halbprivaten Langezeit Verwahrung besonders schwieriger Jungs oder Mädels mit latentem Gehorsamkeitsdefizit und willkürlichen Impulsen übertriebener Aggressivität, mit zur Folge gewaltsamer, körperlicher, gelegentlich fataler, Einwirkung auf unbescholtene Dritte und chronischer Rechtsbeugung und Gesetzesuntreue, bei völliger Abwesenheit jeglichen Schuldbewusstseins.“

„Du solltest dringend etwas dagegen unternehmen! Das, wirkt gar nicht gut auf andere …. – Schau, der da drüben, wie der glänzt in der Sonne! Wie heisst der wohl? Siehst Du ihn? Die schlank zulaufende helle Nadel da drüben?“

„Ganz schön grell, die hiesige Aprilsonne. Besonders nach der dunklen Jahreszeit, nicht? Oh! Nun, sehe ich die Nadel auch. Der Horizont in diese Richtung hat mich eben noch stark geblendet. Wunderbar! Die Nadel muss riesig sein, überragt sie doch alle anderen Wolkenkratzer, da drüben am Horizont.“

„Mit der Helligkeit hast Du Recht! Meine Augen tränen. Ohne Sonnenbrille, will ich das nicht länger, dieses nervöse Blinzeln. Komm, lass uns, mit der Sonne im Rücken, in die Ferne blicken und von ewiger und grenzenloser Freiheit träumen!“

„Wie? So kenne ich Dich kaum.“

„Halt! Wo willst Du hin?“

„Hast Du die VR Tour nicht gemacht, zur Vorbereitung? Das Beste kommt doch erst noch!“

„Wie? Nein. Hier geht es aber nicht weiter!“

„Du lässt Dich schön schnell täuschen!“

„Die spinnen! Ich dachte, in diesem Land, sei alles doppelt und dreifach gesichert. Lass uns umkehren, bitte. Die haben uns echt, voll verarscht! Deswegen, ist also kein Schwein hier oben!“

„Hey, beruhige Dich! Lass mal Panik und Hysterie kleine Kinder bleiben. Schau genauer hin! Da fehlen weder Boden noch Brüstung. Man sieht sie einfach kaum. Schau, Du musst den Kopf, so, etwas hin und her bewegen. Na, siehst Du die Illusion? Sie ist nicht ganz perfekt. Ist mehrfach entspiegeltes Gebäudeglas. Schon gemerkt, Du stehst auf einem Schuhsohlen reinigenden Läufer? Na, alles okay mit Dir? Was ist nun mit Deinem Freiheitstraum?“

„Geht mir so. Bin ich etwa blass? Ja? Mir kriecht diese ekelhafte Kälte von der Stirn her übers Gesicht als würde warmes Wasser in der Wanne abgelassen.“

„Oh. Meine Liebe, das wollte ich wirklich nicht! Dir steht Übelkeit nicht, nicht zu dieser flotten Kleide. Dabei, wollte ich Dir doch hiermit ganz eine besondere Freude machen.“

„Besonders? Hach! Ja, ausgesprochen besonders!“

„Mach nur weiter so, die Farbe sieht schon wieder viel gesünder aus …“

„Gna. Grr. Ich könnte Dich …“

„Lass nur, gern geschehen.

„ … würgen! Komm her!“

„Hättest Du wohl gerne! He, he. Du erwischst mich nicht. Bäh. Brrlrlrr! … … Chees! Us!“

„Himmel und Maria zusammen!“

„So, musste sich der Coyote fühlen, wenn er Roadrunner nachjagte und über den Abgrund hinausschoss. Botz Blitz, das fegt!“

„Halte mich, bevor ich falle! Schnell!“

„Hier! Besser so?“

„Besser so … küss mich. … Küss mich!“

„… wieder beruhigt? Getraust Du Dich?“

„Nicht wirklich.“

„Komm, langsam, auf Drei und zusammen.“

„Das geht mir zu schnell!“

„Okay. Gewöhn Dich erstmal, hier zu sein.“

„Puhh! … Gut, gut. Ich glaub ich bin soweit.“

„Also, dann. Eins …“

„Zwei …“

„Drei!“

„… !“

„Wow!“

„Du!“

„Was?“

„Meine Knie schlottern.“

„Der helle Wahnsinn, diese Sicht nach unten! Das, ist jeden Cent wert!“

„Ich kann es immer noch nicht fassen! Lass mich jetzt blos nicht los. … Hilfe. Da führt kein Weg zurück.Das ist mir zu viel. Wir stehen über dem Abgrund, aber sind nicht am fallen.“

„Der Coyote wäre längst aufgeschlagen und der Schatten über im wüchse rapide.“

„Du hast echt eine Meise! Dafür, muss ich Dich wohl lieben … Aber wie kommen wir zurück?“

„Brotkrummen …“

„Was murmelst Du? Geht es Dir gut? Mich beschleichen Zweifel, ob …“

„Mehl. Sand. Was? Ja, geht mir bestens.“

„Sollen sie alle sagen.“

„Wie? Nein, nein, im ernst. Farbe, ging natürlich auch. Unter uns ist dieses unglaubliche Gebäudeglas. Hätte nie gedacht, dass das so durchsichtig sein könnte. Unheimlich! Es sei denn, …“

„Ah, verstanden. Könnten wir da was drauf streuen oder drauf ausschütten, käme die Bestimmtheit zurück, weil die Illusion verschwindet. Ich wüsste da was. Ich müsste mal für kleine Mädels.“

„Sehr Witzig …“

„Nein, ernsthaft. Ist ja niemand hier.“

„Bis auf die Kameras da drüben am Gebäude.“

„Ha, erwischt. War doch nur Spass. He, he.“

„Nimm meine Hand und schliesse die Augen.“

„Und nun?“

„Folge mir, setzte einen Fuss bewusst vor den anderen.“

„Geht. Ist dennoch ein saumulmiges Gefühl.“

„Ja.“

„Hier. Greif. Wir stehen direkt vor der Gebäudemauer. Kannst die Augen wieder öffnen.“

„Wie schön. Du bist unmöglich! Eigentlich, käme jetzt der Moment auf Zelluloid, in dem ich Dir eine Wischen würde.“

„Bloss nicht Schwarz, Weiss handeln jetzt.“

„Keine Angst, die kreisenden Sternchen sind kunterbunt und das Gezwitscher vom Frühjahr.“

„Nein Danke! Ja, ich liebe Dich auch.“

„Jeden Cent wert?“

„Naja. Denkst Du, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, der Exportschlager der Traumfabrik, dem Geburtsort des süssen oder sauren Kindergruselns Halloween und der Schoko, die nicht auf der Hand, aber in Deinem Mund schmilzt, sei dieser Thrill gratis zu haben?“

„Nein. Wohl kaum. Das schafft nur eine offene, freie Quelle. Habe Durst.“

„Ich auch. Die reinste Sahara im Rachen und Dust Devils auf der Zunge. Mussten die uns unbedingt die Wasserflaschen abnehmen?“

„Echt, unmöglich! Küss mich! Du bist wohl als Kind in ein Lager Filmspulen quietsch fideler Toonies gefallen.“

„Wie? … Ja, so ähnlich … Komm, wir gehen zurück aufs Zimmer.“

„Aufs Zimmer? Ja ..?!? Aufs Zimmer, kommt immer gut! Vor allem, Du Schlaumeier, wenn es nur ein paar Stockwerke ums Eck liegt.“

„Silvester!“

„Kater?“

„Keine Ahnung. Vielleicht, so häufig, wie der arme toasten musste.“

„Der SW-Klassiker? Hey! … Wie jedes Jahr? Aber nur, wenn Du mich auch ein Stockwerk hoch trägst.“